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KULTUR

Die Schweizer Kultur ist geprägt durch die geografische Lage, die Mehrsprachigkeit und eine beachtliche Vielfalt in Bereichen wie Architektur, Kunst, Literatur, Film, Musik und Brauchtum.

Die Kultur der verschiedenen Landesteile wird von den angrenzenden gleichsprachigen Ländern wesentlich mitgeprägt. In jeder Sprachregion gibt es schweizerische Rundfunkprogramme und zahlreiche Zeitungen, aber gleichzeitig orientieren sich viele kulturell auch an den Angeboten in den Nachbarländern der jeweiligen Muttersprache.

Neben der Sprache ist für die kulturelle Vielfalt auch die unterschiedliche Geografie von Bedeutung. So unterscheidet sich die Schweizer Kultur in den Bergen mindestens teilweise von der Kultur im Mittelland, das Leben in einem abgelegenen Gebirgstal oder in der Grossstadt Zürich verläuft anders, auch wenn die gleichen Informationen zur Verfügung stehen.

Zeitgenössische Schweizer Architektur

Architektur und Design haben in der Schweiz seit Beginn des 20 Jahrhunderts zunehmend Bedeutung erlangt. Einerseits sind viele Schweizer Architekten (Mario Botta, Peter Zumthor, Diener & Diener, Herzog & de Meuron) dank ihrer innovativen Arbeit auch im Ausland gefragt, andererseits schufen und schaffen ausländische Architekten berühmte Bauten in der Schweiz.

Die Schweiz ist Geburtsort eines der prägendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Le Corbusier (oder mit bürgerlichem Namen: Charles-Edouard Jeanneret, 1887-1965) war sehr vielseitig und entwarf sowohl Städte als auch Möbelstücke. 1922 propagierte er die architektonischen Prinzipien Rationalität, Wirtschaftlichkeit und Funktionalität.

Zu den bekanntesten Schweizer Architekten gehören der Tessiner Mario Botta und das Basler Duo Herzog und de Meuron.

Botta schuf sowohl in der Schweiz als auch im Ausland Kirchen, Banken und sogar einen Busterminal – nämlich denjenigen in seiner Heimatstadt Lugano. Der mehrfach preisgekrönte Architekt hat auch als Dozent an verschiedenen Universitäten unterrichtet.

Zu den vielen Werken des Basler Architektenduos Jacques Herzog und Pierre de Meuron gehören unter anderem die Tate Modern und das Laban Dance Centre in London. Weiter haben sie in Basel das neue Fussballstadion entworfen und sind ausserdem für das Design des Hauptstadions an den olympischen Spielen 2008 in Peking verantwortlich.

Neben den weltweit bekannten Botta und Herzog & de Meuron gibt es noch eine Reihe weiterer Schweizer Architekten, die viel beachtete Werke geschaffen haben. Innovatives Schweizer Design ist in verschiedenen Ländern anzutreffen: die schnittige Charles River Bridge in Boston ist das Werk des Schweizers Christian Menn.

Und die Basler Architekten Diener & Diener erweiterten das Gebäude der Schweizer Botschaft in Berlin, indem sie den Bau aus dem 19. Jhd. mit zeitgenössischem Design verschmolzen. Ausserdem entwarfen sie das so genannte Orkanen-Gebäude in Malmö, das direkt am Öresund steht und das Lehrerausbildungszentrum sowie die Universitätsbibliothek beherbergt.

Weitere architektonische Sehenswürdigkeiten sind die Valser Thermalbäder von Peter Zumthor und das Kirchner Museum in Davos (beides im Kanton Graubünden) von Annette Gigon und Mike Guyer.

Maler und Bildhauer

Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörten die Maler Albert Anker, Arnold Böcklin und Ferdinand Hodler zu den bekanntesten Schweizer Künstlern. Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts prägten dann Alberto Giacometti (1901-1966) – den man vor allem als Schöpfer der filigranen menschlichen Figuren kennt – sowie Paul Klee (1879-1940) das Kunstschaffen entscheidend mit.

Ebenfalls eine wichtige Rolle spielte Jean Tinguely (1925-1991) mit seinen kreativen und teils versponnenen Installationen, die er meist aus Altmetall schuf und die getreu seiner Philosophie keine eigentliche "vernünftige" Funktionalität haben durften. Aus Altmetall baut auch Tinguelys Freund Bernhard Luginbühl bis heute einige seiner riesigen Skulpturen. Andere baut Luginbühl aus Holz, damit er sie in einem zweiten kreativen Schritt spektaktulär verbrennen kann.

In den 1950er Jahren entwickelte Max Bill die Richtung der so genannten "konkreten" Kunst (als Gegengewicht zur "abstrakten" Kunst) und bemühte sich, sie der Bevölkerung näher zu bringen. Die Prinzipien der konkreten Kunst lauteten: sparsamer Gebrauch des Materials und Rationalismus. Bill definierte die konkrete Kunst als "reinen Ausdruck von harmonischem Mass und Gesetz".

Möglicherweise ist es kein Zufall, dass die konkrete Kunst in der Schweiz entstanden ist, einem Land, das Vernunft und Ordnung zu lieben scheint.

Andererseits gibt es viele Schweizer Kunstschaffende, die sich mit surrealen und verspielten Werken einen Namen machten. Meret Oppenheims berühmtes Werk "Frühstück im Pelz", das im Museum of Modern Art in New York ausgestellt ist, hat jedenfalls relativ wenig mit reiner Vernunft zu tun...

Ein weiteres Beispiel für die verspielte Seite der Schweiz sind die Ausstellung von originell bemalten und gestalteten Kühen und Bänken, welche zwischen 1998 und 2000 die Strassen in Zürich zierten. Das Beispiel der Kühe machte bald einmal Schule: so wurden in Chicago, New York, London und Sydney ebenfalls bunte Kühe ausgestellt.

In Washington D.C. wurde die Idee etwas abgeändert, und anstelle von Kühen zierten Esel und Elefanten die Strassen der Stadt. An der Gestaltung der Tiere in der US-Hauptstadt waren auch zwei Schweizer Künstler beteiligt

TRADITIONEN : Advent und Weihnachten
Die Adventszeit, die vier Wochen vor dem Heiligen Abend beginnt, dient eigentlich der Besinnung im Hinblick auf die Geburt Christi. Das hektische Weihnachtsgeschäft drängt diesen ursprünglichen Sinn des Advents jedoch zuweilen in den Hintergrund.

Um den Kindern das Warten auf das Weihnachtsfest in dieser Zeit etwas angenehmer zu gestalten, gibt es Adventskalender mit 24 Fenstern, hinter denen sich Überraschungen – oft sind es Szenen aus der Weihnachtszeit – verbergen. Vom ersten bis 24. Dezember können die Kinder jeden Tag ein solches Fenster öffnen.

Diese Kalender, die auch aus einer nummerierten Reihe von kleinen Geschenken bestehen können, gehören ebenso zur Adventszeit wie die Adventskränze, auf die vier Kerzen gesteckt sind. Am 1. Adventssonntag wird eine Kerze angezündet, am zweiten zwei, am dritten drei und kurz vor Weihnachten brennen dann alle vier Kerzen dieses Kranzes.

Klausbräuche
Die Klausbräuche der deutsch- und französischsprachigen Schweiz lassen sich auf den Heiligen des 6. Dezembers, Nikolaus von Myra (geboren um 345), zurückführen. Der vielfache Wohltäter ist der Patron der Schüler und jungen Mädchen.

Das Chlausjage, ein nächtlicher Lärmbrauch kurz vor dem St. Nikolaus-Tag (6. Dezember), ist in verschiedenen Dörfern am Vierwaldstättersee Tradition, aber in Küssnacht am Rigi besonders berühmt. Dort lässt sich der Brauch bereits 1732 nachweisen.

Die Klausbräuche konzentrieren sich auf den Vorabend des Nikolausentags, beginnen aber im Glarnerland bereits Ende November und enden im Appenzeller Hinterland anfangs Januar.

St. Nikolaus
Am 6. Dezember wird der Tag des St. Nikolaus ("Samichlaus" in der Deutschschweiz) gefeiert. Dies ist vor allem ein Fest für die Kinder. In katholischen Gegenden wird die bescherende Bischofsfigur von einem strafenden Knecht (Schmutzli, Butzli, père fouettard) begleitet. In reformierten Gebieten ist St.Nikolaus als alter, in einen Kapuzenmantel gekleideter Mann mit einem langen Bart und einer Rute bekannt.

Samichlaus und Schmutzli kommen am Abend zu den Kindern nach Hause (wenn sie von den Eltern aufgeboten worden sind), besuchen Schulen und Kindergärten und tragen einen Sack voller Nüsse, Mandarinen, Lebkuchen und anderer Leckerbissen mit sich. Die Kinder üben für diesen Tag spezielle Samichlaus-Sprüche, die sie dann aufsagen und dafür mit den Leckereien belohnt werden.

Weibliche Pendants zum Samichlaus gibt es im italienischsprachigen Tessin (Befana) und in der französischsprachigen Westschweiz (Chauche-vieille).

Weihnachten
Beim Konzil von Nicäa im Jahr 325 wurde die Geburt Christi auf den 25. Dezember festgelegt. Mit diesem nahe der Wintersonnenwende gelegenen Termin sollten die heidnischen Feste zur Mitwinterzeit in den Schatten gestellt werden.

Das zunächst rein kirchliche Christfest entwickelte sich nach und nach zur Familienfeier mit dem Weihnachtsessen als Höhepunkt. Die traditionelle Bescherung und der Lichterbaum verbreitete sich erst im 20. Jahrhundert von den städtischen Zentren in die Dörfern.

In der Südschweiz hat sich der Christbaum in der Familie erst in den letzten Jahren verbreitet. In den meisten Tessiner Häusern wird nach altem Brauch die Krippe und eine geschmückte Tanne auf dem Dorfplatz aufgestellt.

Lieder und Instrumentalmusik sind zu wichtigen Elementen des weihnächtlichen Brauchtums geworden. Neben der Hausmusik sind Kirchenkonzerte, Turmblasen, Kurrende-Singen, offene Singen und die Ständchen der Heilsarmee schon in der Adventszeit beliebt. Sie dienen häufig guten Werken, deren finanzielle Unterstützung immer mehr den Austausch von persönlichen Geschenken ersetzt

Was ist an der Schweiz bemerkenswert?
In der Schweiz gibt es zwar vier offizielle Landessprachen, doch ausser dem Rätoromanischen ist keine dieser Sprachen eigentlich "schweizerisch". In der Westschweiz spricht man Französisch und hat deshalb häufig einen engeren Kontakt zur Kultur und Literatur aus Frankreich als derjenigen der anderen Schweizer Landesteile. Auch das Verhalten unterscheidet sich je nach Region. Menschen aus der Romandie und dem Tessin wirken tendenziell etwas spontaner und lebenslustiger, als Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer.

In den verschiedenen Sprachregionen gibt es auch unterschiedliche Traditionen und Ernährungsgewohnheiten. Die gemeinsame Geschichte der Sprachregionen ist erst rund 200 Jahre alt. Vor der Besetzung durch Napoleon 1798 gab es in der Schweiz herrschende und Untertanen-Gebiete. So waren die Bewohnerinnen und Bewohner des heutigen Kantons Waadt beispielsweise Bern untertan und hatten nicht die gleichen Rechte wie die Berner.

Manchmal haben die Schweizerinnen und Schweizer selber Mühe zu beschreiben, was sie - ausser dem Pass - mit ihren Landsleuten aus den anderen Sprachregionen verbindet. In diesem Zusammenhang wird oft von der so genannten Willensnation gesprochen: man bildet freiwillig eine Einheit, ohne einheitlich zu sein.

Man muss es sagen: Die "Schweizer" - wenn das Wort einen Sinn hat, und ich möchte damit nur die Gesamtheit der Individuen bezeichnen, die politisch zur Schweiz gehören - sind zweifellos ordentlich, sorgfältig, pflichtbewusst, aber sie sind auch engstirnig. Sie sind aktiv, aber innerhalb ihres Territoriums; sie kapseln sich ab, weil sie auf Ruhe bedacht sind. Und kann man nicht sogar sagen, dass sie dieser Ruhe, dank der sie so fleissig an der Perfektionierung ihres eigenen Haushalts arbeiten können, alles geopfert haben.

Charles-Ferdinand Ramuz (1878-1947), bedeutendster Autor der französisch- sprachigen Schweiz