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Die schönen Künste
Die Koordination der Veranstaltungen auf dem Gebiet der schönen Künste wird vom Amt für Schöne Künste wahrge-nommen, das dem Ministerium für Kultur und Tourismus zu-geordnet ist. Innerhalb des Amtes, das nationale und inter-nationale Aktivitäten auf dem Gebiet der schönen Künste, vor allem auf den Gebieten der Klangkünste und der plas-tischen Künste, durchführt oder organisiert, sind mit 6 Sym-phonieorchestern, 14 Chören und 12 Musikvereinigungen insgesamt 32 Ton-Kunstinstitutionen, ferner 3 staatliche Museen für Bilder und Plastiken und 53 staatliche Galerien für schöne Künste vereinigt.
Die Malerei: Maler wie İbrahim Çallı, Hikmet Onat, Namık İsmail, Avni Lifij und Feyhaman Duran, die 1910 zu Studienzwecken nach Europa gingen, brachten in die tür-kische Malerei die Stile des Impressionismus oder des Sym-bolismus ein. Diese als ‘Generation von 1914’ bezeichneten Künstler wurden Hochschullehrer an der Akademie für schö-ne Künste und bildeten die Maler der Epoche der Republik aus. Ali Avni Çelebi und Zeki Kocamemi waren unter dem Namen ‘die Unabhängigen’ die ersten Maler, die in die türkische Malerei moderne Elemente einbrachten. Sie teilten diese Eigenschaften mit ihren Kollegen/-innen Şeref Akdik, Mahmut Cuda, Hale Asaf, Muhittin Sebati, Refik Epikman, Cevat Dereli und dem Bildhauer Ratip Aşir Acudoğlu, die unter dem Einfluss der Hoffmann-Schule standen und Pio-niere des Expressionismus waren. Neue Horizonte in die türkische Malerei brachten Zeki Faik İzer, Nurullah Berk, Elif Naci, Cemal Tollu, Abidin Dino, Sabri Berkel und der Bild-hauer Zühtü Müridoğlu, die sich unter dem Namen ‘Gruppe D’ formierten und vom Kubismus inspirierte analytische Strukturen und Abstraktionen verwendeten.
Mit der Universitätsreform von 1928 wurde die traditionelle Kunsthochschule ‘Sanayi-i Nefise Mektebi’ in die ‘Akademie für schöne Künste’ (“Güzel Sanatlar Akademisi”) umge-wandelt. Der französische Maler und Gravurist Léopold Levy wurde 1937 Leiter der Abteilung für Malerei.
Zusammen mit den akademischen Lehrern und den Malern der ‘Gruppe D’ führte Levy ein neues System ein. Von Schülern Levys wurde die ‘Yeniler Grubu’ (“Die Gruppe der Neuen”) gegründet, aus der sich Turgut Atalay und Mümtaz Yener den sozialen Realitäten zuwandte, während Nuri İyem von der Abstraktion ausgehend zum Maler der anatolischen Frauen, der Elendsviertel, der Streiks und der Landflucht wurde.
Die von den ‘Neuen’ entwickelte nonfigurative Malkunst wurde in den 50’er Jahren von Malern wie Mübin Orhon, Fah-rünnisa Zeyd, Nejat Devrim, Lütfü Günay, Devrim Erbil, Özdemir Altan, Adnan Turani, Güngör Taner und Mustafa Ata entwickelt, während das Bild, das die sozialen Realitäten zeigte, in den Ansichten der Çukurova von Duran Karaca, in den Ölgemälden von Cihat Aral oder in den Produktionen der Künstler der Ateliers von Neşet Günal und Neşe Erdok repräsentiert wurde.
Die ‘Onlar Grubu’ (“Gruppe der Zehn”), in der sich in den 50’er Jahren Bedri Rahmi Eyüboğlu und die in seinem Atelier ausgebildeten Künstler versammelten, vereinigten in ihrer türkischen Malereikunst traditionelle Quellen wie Miniatur-malerei, traditionelle Graphik, Kelim- und Teppichdesigns und Mosaikkonfigurationen mit modernen Stilelementen. Während sich Mehmet Pesen und Nedim Günsür mehr der Tradition zuwandten, brachten Orhan Peker, Leyla Gamsız und Turan Erol Farb- und Fleckenabstraktionen als Steige-rung der Ausdruckskraft ein. Zwischen 1980 und 1990 tat die Malereikunst in der Türkei einen weiteren grossen Schritt nach vorne. In den Ölgemälden kamen neue Elemente zum Ausdruck, zu denen vor allem der ‘Fantastische Realismus’ gehört. Künstler wie Fikret Mualla, Avni Arbaş, Burhan Uygur, Ergin İnan, Erol Akyavaş, Burhan Doğançay oder Utku Varlık konnten internationale Erfolge vorweisen. Künstler wie Gök-han Anlağan, Hüsamettin Koçan, Mehmet Gün, Mahir Güven, Alp Tamer Ulukılıç, İsmet Doğan, Mehmet Uygun, Altan Çe-lem, Selda Asal und Serhat Kiraz brachten mit ihren Ölge-mälden oder begrifflichen Produkten neue Dimensionen in die türkische Kunst. Pionierhafte und experimentelle Arbei-ten werden in der Ausstellungsserie ‘Yeni Eğilimler’ (“Neue Richtungen”) im Rahmen des İstanbuler Kunstfestes seit 1977 gezeigt. Seit 1980 sind besonders die traditionellen Ölgemälde und Arbeiten zur begrifflichen Kunst verbreitet
Einige bekannte türkische Maler sind in diesem Zusammen-hang Zahit Büyükişleyen, İsmet Doğan, Serhat Kiraz, Zafer Gençaydın, Şenol Yokozlu, Bedri Baykam, Tomur Atagök, Habip Aydoğdu, Vural Yurdakul, Mustafa Ata und Güngör Taner.
Der seit 2001 stattfindende Malerwettbewerb zum Andenken an den Meister der modernen Malerei Şefik Bursalı wurde 2008 zum 8. mal durchgeführt.
Die Bildhauereikunst: Osgan Efendi und die Künst-ler in seinem Atelier sowie Nijat Sirel und Mahir Tomruk waren die ersten ausgebildeten Bildhauereikünstler. Die Freiheitsstatue auf dem Taksim-Platz in İstanbul von Canonica, das Denkmal im Güven-Park in Ankara von Ha-nak und Thorak, das Atatürk-Denkmal in Sarayburnu/İstan-bul von Krippel oder das ‘İyigün’-Denkmal in Ulus/Ankara zeigen die Eigenheiten ihrer Zeit.
Auch türkische Bildhauer beschäftigten sich mit der Denk-malkunst. So erzielten im Wettbewerb um eine Gedenk-stätte in Erzurum (‘Erzurum Anıtı’), an dem auch auslän-dische Künstler teilnahmen, Ali Hadi Bara den ersten und Zühtü Müridoğlu den zweiten Preis. Im Wettbewerb um eine Gedenkstätte in Manisa (‘Manisa Anıtı’) siegte Nijat Sirel. Auch Künstler wie Hakkı Atamulu, Yavuz Görey, Kamil Sonad, İlhan Koman, Hüseyin Gezer und Turgut Pura drück-ten der Denkmalskunst ihren Stempel auf. Erste Beispiele für eine Bildhauereikunst, die sich auf gesellschaftliche Realitäten bezieht, gab Ratip Aşir Acudoğlu mit seiner Gedenkstätte in Menemen und seinem Mahnmal zum Erd-beben in Erzincan.
1937 wurde der deutsche Bildhauer Rudolf Belling Leiter der Abteilung für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie für schöne Künste. Er war dort bis 1954 Hochschullehrer und bildete viele Studenten aus und war auch als Bildhauer tätig. Die Statuen von İnönü im ‘Taşlık’-Park in İstanbul und im Garten der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Ankara gehören zu seinen Werken.
Die Bildhauer der Gruppe um Belling pflegten bei ihren Produkten einen mehr figurativen Stil und machten auch figurativabstrakte und non-figurative Studien. Künstler wie
Ali Hadi Bara, İlhan Koman, Mehmet Şadi Çalık und Turgut Pura pflegten vor allem eine abstrakte Produktionsweise.
In den 50’er Jahren waren im Fachbereich Bildhauerei der Akademie Ali Hadi Bara und Zühtü Müridoğlu einflussreich. Die Entwicklungen in dieser Periode waren durch abstrak-tes Arbeiten und den Ge-brauch verschiedener Hilfs-mittel und Techniken geprägt. Bildhauer wie Ali Teoman Ger-maner, Tamer Başoğlu, Gür-dal Duyar, Namık Denizhan, Metin Deniz, Meriç Hızal Başol oder Rahmi Aksungur waren Mitglieder des Lehrkörpers dieser Abteilung.
Die interessantesten abstrak-ten Arbeiten stammen von Kuzgun Acar, der 1961 bei der Biennale der Jugend im Be-reich Bildhauerei in Paris den ersten Preis gewinnen konnte. Auch die Reliefs ‘Kuşlar’ (“Vö-gel”) im Kunstmarkt ‘Manifa-turacılar Dimension zu er-schliessen versucht, oder Ferit Özşen, Saim Bugay, Meriç Hı-zal Başol, Remzi Savaş und Eyüp Öz, die in ihren abstrak-ten Werken Materialien wie Erze, Stein oder Holz verwen-den, oder Yunus Tonkuş, Yavuz Görey, Zerrin Bölükbaşı, Hüseyin Gezer und Haluk Tez-onar u.a. konnten auf internationalen Ausstellungen gute Bewertungen erhalten.
Keramik: Wie auch bei den anderen Kunstzweigen schickte man im Bereich der Keramik in den ersten Jahren der Republik verschiedene Künstler ins Ausland. Nach-dem die in Paris ausge-bildeten ersten Keramik-künstler İsmail Hakkı Oy-gar, Hakkı İzer und Vedat Ar wieder in ihre Heimat zu-rückgekehrt waren, entwi-ckelten sie einen indivi-duellen Stil, der sich vom traditionellen Verständnis von Keramik als Dekor und Schmuck unterschied. Mit Hilfe dieser Künstler wurde 1929 in der Akademie für schöne Künste ein Kera-mik-Atelier eingerichtet und mit einer systematischen akademischen Ausbildung begonnen. Das erste priva-te Keramik-Atelier wurde Mitte der 50’er Jahre von Füreyya Koral errichtet. Künstler wie Füreyya Koral, Sadi Diren, Nasip İyem, Bingül Başarır, Candeğer Fürtun, Atilla Galatalı, Beril
Anılanmert, Hamiye Çolakoğlu, Zehra Çobanlı oder Jale Yılmabaşar begannen seit 1949 Keramikwerke auf interna-tionalem Niveau zu schaffen.
Um die neuesten Werke türkischer Künstler in einer Aus-stellung vorzustellen, veranstaltet des Ministerium für Kultur und Tourismus seit 1939 jedes Jahr eine ‘Staatliche Gemälde- und Plastikausstellung’, deren 69. 2008 organi-siert wurde. Die beim Wettbewerb für preis- und ausstel-lungswürdig befundenen Werke wurden im Januar 2009 im Staatlichen Museum für Gemälde und Bildhauerei ausge-stellt.
Kunst-Photographie: Die zunehmende Bedeutung, die der Kunst und dem Künstler mit der Unterstützung Atatürks zugeteilt wurde, wirkte sich auch auf die türkische Photographie aus.
Türkische Handarbeit: Die Traditionen der Kulturen der vielen Zivilisa-tionen, die auf anatoli-schem Boden lebten, sind nach der Landnahme der Türken eine neue Synthese
eingegangen. Deshalb reichen die Wurzeln der türkischen Handarbeit, die eine wichtige soziokulturelle Funktion hat, weit in die Vergangenheit zurück. Einrichtungen der for-mellen und informellen Erziehung, offizielle und private Ins-titutionen und einzelne Personen halten die türkische Hand-arbeit am Leben, die aus folgenden Zweigen besteht: We-berei und Knüpferei (Stoffe, Teppiche, Kelims, Wandtep-piche, Wirkteppiche und Filzteppiche), Stickereien (Nadelar-beiten, Arbeiten mit Silberfäden), Strickereien (Spitzen, Glasperlen, Häkelarbeiten, Webeeinlagen), Metallverarbei-tung (Goldschmiederei, Glasherstellung), Holzschnitzerei, Handarbeit mit Steinwerk (Marmorarbeiten, Arbeiten mit Meerschaum), dekorative Puppen und Lederverarbeitung.
Kalligraphie: Spricht man von Kalligraphie, denkt man in erster Linie an die Verzierungen um arabische Buchstaben herum, denn die Kunst entwickelte sich als Ver-zierung von Büchern in arabischer Schrift im 6.-10. Jahrhun-dert.
Die Türken begannen, sich für Kalligraphie zu interessieren, nachdem sie Anatolien besiedelt hatten, und erlebten ihre Glanzzeit auf diesem Gebiet während der osmanischen Zeit. Der Stil von Şeyh Hamdullah, der als Begründer der türkischen Kalligraphie gilt, hielt bis ins 17. Jahrhundert an. Die reifsten Formen bei der ästhetischen kalligraphischen Bearbeitung der arabischen Schrift erreichte Hafız Osman (1642-98), und alle späteren Kalligraphen orientierten sich nach ihm.
Die türkische Kalligraphie führte ihre Kunst auch noch im 19. und 20. Jahrhundert fort, büsste aber ihre Verbreitung mit der Umstellung von der arabischen auf die lateinische Schrift 1928 ein. Nun ist sie eine traditionelle Kunst,

die an be-stimmten Ausbildungseinrichtungen gelehrt wird.
Der letzte Meister der türkischen Kalligraphie ist Hattat Hamid Aytaç. Der 1891 in Diyarbakır geborene Künstler führte in die türkische Druckerei die Künste der Zinkogra-phie, des Eisenstichs, der Gravurarbeit, des Reliefs und des Kunstdrucks ein.
Die kalligraphischen Werke von Hamid Bey sind an den unvergleichlichen Schriftverzierungen an der Şişli-Moschee, eine der neueren Moscheen İstanbuls, zu bewundern, und sind an verschiedenen Häusern, in Salons und an Arbeits-plätzen, auch in Ägypten oder Irak, in der ganzen Welt zu sehen. Er lebte lange, war sehr produktiv und hatte Schüler aus der gesamten islamischen Welt und sogar aus Japan


