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Architektur und Ihre Kultur
Mit der Gründung der Republik begann in der Türkei die Suche nach der Entwicklung einer Architektenkultur. An der Mimar Sinan-Universität für Schöne Künste (Mimar Sinan Güzel Sanatlar Üniversitesi oder mit ihrem alten Namen “Sanayi-i Nefise), der Technischen Universität İstanbul (İs-tanbul Teknik Üniversitesi oder mit ihrem alten Namen “Mü-hendishane”) und der Yıldız-Technischen Universität (Yıldız Teknik Üniversitesi oder mit ihrem alten Namen “Usta Oku-lu”), alle in İstanbul gelegen, wurden unter der Führung von Experten wie Holzmeister, Egli, Wagner und Taut am Aus-bildungssystem Änderungen vorgenommen, mit denen die Ausbildung einer neuen Generation von türkischen Archi-tekten eingeleitet wurde.
Heute gibt es an den Universitäten der Türkei einschliesslich der Türkischen Republik Nordzypern 38 Abteilungen für Arc-hitektur, und Absolventen der Abteilungen sind sowohl in der Türkei als auch in der Welt mit ihren Tätigkeiten erfolgreich.
Wenn man den Stil der modernen türkischen Architektur betrachtet, bemerkt man das Bestehen einer ‘Identitäts- Suche’ seit den ersten Jahren der Republik. Aus dieser Suche trat mit den Architektur-Meistern Mimar Kemallettin, Giulio Mongeri, Vedat Tek und Arif Hikmet Koyunoğlu die ‘1. Nationale Strömung’ hervor, die die erste wichtige Architek-turschule bildete. Die Vertreter dieser Strömung waren in ihren Werken in der ersten Periode der Republik von Ele-menten der seldschukischen und osmanischen Architektur inspiriert und benutzten an den Gebäudefronten Steinarbei-ten und Fayencen-Verzierungen. Zu den Gebäuden dieser Zeit gehört das Zweite Parlamentsgebäude nahe dem Hauptplatz von Ulus, das Hotel ‘Ankara Palas’, die Gebäude der ‘Ziraat Bank’ und der früheren ‘Osmanlı Bank’ und heu-tigen ‘Garanti Bank’, sowie das Gebäude von ‘Türk Ocağı’ und das Ethnographische Museum.
In den 30’er Jahren gewannen unter der Führung von Architekten mitteleuropäischen Ursprungs moderne architek-tonische Werke ein Übergewicht, die den Namen ‘Ankara- Kubismus’ erhielten.
Als Reaktion auf die kubische Architektur und im Bestreben, die eigenen Wurzeln und Herkunft zu beachten, entwickelte sich in der zweiten Hälfte der 30’er Jahre unter Führung von Sedat Hakkı Eldem die ‘2. Nationale Strömung’, die nun-mehr Planung und Bau bestimmte. Man verwendete Elemen-te wie überhängende Dächer, vergitterte Fensterpartien, Er-ker und überhängende Stockwerke. Das architektonische Design war von Harmonie und Ausgleich geprägt. Zudem entwickelte sich eine Industrie für heimische Baumaterialen.
In den Gebäuden, die nach dem 2. Weltkrieg vom öffent-lichen und privaten Sektor errichtet wurden, herrschte ein originelleres und dauerhafteres Verständnis von Architektur vor.
Zeitschriften und Veröffentlichungsorgane als Kanal für ar-chitektonische Konzepte entwickelten sich seit 1930. 1931 brachten Zeki Sayar, Abidin Mortaş und Abdullah Kozanoğlu die Zeitschrift ‘Mimar’ heraus, die später den Namen ‘Arkitekt’ annahm und noch heute veröffentlicht wird. Die 1954 gegründete Architektenkammer führte die Veröffent-lichung der Zeitschrfit ‘Mimar’ fort. Heutzutage gibt es in der Türkei über 20 architektonische Zeitschriften, die zum Teil sich spezialisiert haben und zu Kultur und Praxis der Archi-tektur einen Beitrag leisten.
Die nach 1950 beginndende und nach 1980 sich noch stei-gernde rapide Verstädterung liess Architektur und Archi-tekten unbeachtet. Die Städte verloren ihre Identität, und man begann daraufhin, die bislang sterile Architektur aufs Neue zu gestalten. 2007 begann die Architektenkammer die Kamagne ‘Die türkische Architekturpolitik wird belebt’. Sie hat das Ziel, die Verantwortung des in der Architektur be-ruflich Tätigen zu stärken und die gesellschaftlichen Schwie-rigkeiten zu überwinden, denen sich die Verantwortlichen gegenüberstehen.
In der jüngsten Zeit traten in der Architektur Namen hervor, die verschiedenen Generationen angehören und verschie-dene Auffassungen tragen; diese sind: Turgut Cansever, Doğan Tekeli, Behruz Çinici, Şevki Vanlı, Cengiz Bektaş, Han Tümertekin, Nevzat Sayın, Murat Tabanlıoğlu und Emre Arolat.


